Wenn die Pflege eines Angehörigen zu Hause beginnt, passiert das selten geplant. Meist folgt auf einen Krankenhausaufenthalt eine Woche, in der alles gleichzeitig organisiert werden muss. Diese Checkliste sortiert, was im Alltag tatsächlich gebraucht wird – nach Bereichen statt nach Produktgruppen.
- Fünf Bereiche abdecken: Händehygiene, Bett & Lagerung, Körperpflege, Hautschutz, Alltagshilfen
- Für einen Teil davon kann bei Pflegegrad ein Anspruch gegenüber der Pflegekasse bestehen – der größere Teil ist selbst zu beschaffen
- Vorräte kalkulieren statt spontan kaufen – Verbrauchsmaterial geht schneller zur Neige als gedacht
- Hautschutz früh mitdenken: Wunde Haut ist der Beginn der meisten Folgeprobleme
Die fünf Bereiche im Überblick
1 · Händehygiene: der wirksamste Hebel
Pflegebedürftige Menschen sind infektanfälliger. Gleichzeitig ist Händehygiene die Maßnahme mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis, die Angehörige selbst steuern können.
- Händedesinfektionsmittel – griffbereit am Pflegebett und im Bad, nicht in der Küchenschublade
- Einmalhandschuhe in passender Größe – für Inkontinenzversorgung, Wundkontakt und Reinigung. Für Zuhause sind Nitrilhandschuhe die praktischste Wahl
- Desinfektionstücher für Flächen wie Nachttisch, Toilettensitz, Griffe
- Einwegschürzen für Tätigkeiten mit Spritzgefahr
Wann desinfiziert wird, lässt sich aus der Pflegepraxis übertragen: vor und nach jedem Pflegekontakt, vor dem Umgang mit Wunden oder Kathetern, nach Kontakt mit Ausscheidungen. Ausführlich erklärt im Beitrag zu den 5 Momenten der Händehygiene.
2 · Bett und Lagerung
Krankenunterlagen sind das Produkt, das im Pflegealltag am schnellsten verbraucht wird – und dasjenige, bei dem sich Qualität am deutlichsten bemerkbar macht. Fünflagige Ausführungen mit Saugkern halten die Haut trockener als einfache Zellstoffvarianten und rutschen weniger.
- Krankenunterlagen in 60 × 90 cm als Standardgröße, größer bei starker Inkontinenz
- Matratzenbezug oder wasserdichte Encasings – schützen die Matratze dauerhaft
- Saugkissen für gezielten Schutz, etwa im Sitzbereich
- Lagerungskissen zur Druckentlastung und für bequemes Sitzen im Bett
3 · Körperpflege
Einmal-Waschhandschuhe haben sich für die Pflege am Bett durchgesetzt: kein Auswringen, kein Wäscheaufkommen, keine Keimverschleppung über wiederverwendete Textilien. Es gibt sie trocken zum Anfeuchten sowie vorgetränkt für die Pflege ohne Wasser.
- Waschhandschuhe – Molton oder Vlies, trocken oder vorgetränkt
- pH-hautneutrale Waschlotion statt klassischer Seife
- Feuchttücher für die Zwischenreinigung
- Mundpflegeset, besonders wichtig bei eingeschränkter Nahrungsaufnahme
4 · Hautschutz und Inkontinenzversorgung
Der Punkt, der am häufigsten unterschätzt wird. Dauerhafte Feuchtigkeit weicht die Haut auf, Reibung und Druck tun den Rest. Wunde Stellen sind schmerzhaft, heilen langsam und können sich zum Dekubitus entwickeln.
- Hautschutzcreme mit Barrierefunktion für Gesäß- und Intimbereich
- Pflegecreme für trockene Haut an Armen und Beinen
- Inkontinenzvorlagen in passender Saugstärke – lieber die richtige Größe als die höchste Saugklasse
- Fixierhöschen oder Netzhöschen für sicheren Sitz der Vorlagen
- Inkontinenzslips für die Nacht oder bei stärkerem Bedarf
Achten Sie auf Rötungen an Steißbein, Fersen, Hüften und Schulterblättern. Rötungen, die nach Druckentlastung nicht innerhalb weniger Minuten verblassen, sind ein Warnzeichen und gehören ärztlich abgeklärt.
5 · Alltagshilfen und Kleinbedarf
- Urinflasche oder Toilettenstuhl für nachts
- Medikamentendispenser mit Wochen- oder Tageseinteilung
- Blutdruckmessgerät und Fieberthermometer
- Pflaster und Kompressen für kleine Verletzungen
- Greifhilfe, Anziehhilfe, Trinkbecher mit Nasenausschnitt je nach Einschränkung
- Dokumentationsmappe mit Medikamentenplan, Notfallkontakten und Vollmachten
Wofür ein Anspruch bestehen kann – und was Sie selbst besorgen
Für einen Teil dieser Liste kann bei anerkanntem Pflegegrad ein Anspruch gegenüber der Pflegekasse bestehen: auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von bis zu 42 Euro monatlich. Der Haken: Die Liste der erstattungsfähigen Produkte ist kurz. Vieles, was den Alltag tatsächlich erleichtert, fällt nicht darunter.
| Anspruch gegenüber der Pflegekasse möglich | Selbst zu beschaffen |
|---|---|
| Einmalhandschuhe | Waschhandschuhe |
| Händedesinfektionsmittel | Waschlotion, Shampoo, Duschgel |
| Flächendesinfektionsmittel | Hautschutz- und Pflegecreme |
| Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch | Matratzenbezüge, Lagerungskissen |
| Mundschutz | Pflaster, Kompressen, Verbandmaterial |
| Schutzschürzen | Alltagshilfen, Urinflasche, Dispenser |
Sonderfall Inkontinenzmaterial: Vorlagen, Pants und Slips laufen weder über die Pauschale noch als Eigenkauf, sondern als Hilfsmittel nach SGB V über die Krankenkasse – mit ärztlicher Verordnung.
Produkte für den Pflegealltag
ARNOMED SUPERDRY5-lagig, saugstark
NOBA WaschhandschuheFür die Pflege am Bett
Ecolab SilondaHautschutz mit Barrierefunktion
NOBA Ribosoft SaugkissenFür gezielten Schutz
Weitere Kategorien: Krankenunterlagen, Waschhandschuhe, Windeln & Einlagen, Alltagshilfen und Anti-Dekubitus.
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Pflegebedarf ansehenHäufige Fragen
Brauche ich für die 42-Euro-Pauschale ein Rezept?
Nein – ein anerkannter Pflegegrad und die Pflege im häuslichen Umfeld sind die Voraussetzungen. Ob im Einzelfall ein Anspruch besteht, entscheidet die Pflegekasse. Details zu Antrag und erstattungsfähigen Produkten finden Sie im Beitrag zur Pflegebox.
Welche Handschuhe eignen sich für Zuhause am besten?
Nitrilhandschuhe. Sie sind latexfrei, reißfest und beständig gegen Desinfektionsmittel. Details im Handschuh-Vergleich.
Wie oft sollte eine Krankenunterlage gewechselt werden?
Sobald sie durchfeuchtet ist. Längere Feuchtigkeit auf der Haut ist der Hauptrisikofaktor für Hautschäden – das gilt unabhängig davon, wie saugstark das Produkt beworben wird.
Was tun bei ersten Rötungen an Druckstellen?
Betroffene Stelle konsequent entlasten, Position regelmäßig wechseln, Haut trocken und gepflegt halten. Verblasst die Rötung nach Entlastung nicht, sollte ärztlich oder durch eine Pflegefachkraft beurteilt werden – dann kann bereits ein Dekubitus im Frühstadium vorliegen.
Lohnt sich ein Vorrat oder besser laufend nachbestellen?
Ein Grundvorrat für etwa vier Wochen hat sich bewährt: Er deckt Krankheitsphasen und Feiertage ab, ohne dass Material verfällt. Achten Sie bei Desinfektionsmitteln auf das Haltbarkeitsdatum.
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen für pflegende Angehörige und ersetzt weder medizinische noch pflegefachliche oder rechtliche Beratung. Angaben zu Leistungen der Pflegeversicherung geben den Stand August 2026 wieder; verbindliche Auskünfte erteilt Ihre Pflegekasse. Beachten Sie stets die Gebrauchsanweisungen der einzelnen Produkte.